Eine Website ist ein Auto und kein Buch

Robin Rendle - 15. April 2019

Ich frage mich schon seit geraumer Zeit, warum Webdesign und -entwicklung weniger respektiert werden als die native App-Entwicklung und warum die Rolle des Front-Ends in vielen Organisationen eher als „Nice-to-have“ denn als wichtiger Geschäftsbereich angesehen wird. Warum ist es so schwer zu erkennen, dass dieser Job, den wir „Front-End-Entwicklung“ nennen, für das Geschäft und sogar für den Alltag der Nutzer von entscheidender Bedeutung ist?

Bin nur ich das so empfinde?

Wir sind auf Front-End-Entwickler angewiesen, wenn es darum geht, unsere Steuern zu erledigen, Lebensmittel und Kleidung zu kaufen, unsere Rechnungen zu bezahlen und uns zu unterhalten. Wir entdecken neue Musik, lesen Geschichten und spielen Spiele und verlieben uns… all das auf Websites, die nichts weiter sind als HTML, CSS und JavaScript, geschrieben von Front-End-Entwicklern.

Ich will hier nicht unhöflich sein, aber man sieht überall Organisationen, die die Front-End-Entwicklung de-priorisieren. Es gibt langsame Websites! Überall Ad-Tech-Junk! Schlechte responsive Oberflächen! Divs, die für Buttons verwendet werden! Unzugängliche Formulare! Die Probleme im Web heute sind einschüchternd und überwältigend für diejenigen, denen sowohl gute Front-End-Entwicklung als auch die Gesundheit des Webs selbst am Herzen liegen.

Was ist die Ursache? Nun, ich glaube ganz sicher nicht, dass es böswillig ist. Niemand will langsame Websites oder kaputte Oberflächen bauen, und niemand versucht (glaube ich) absichtlich, das Web kaputt zu machen. Warum tun wir also alle Dinge, die gegen das verstoßen, was wir als Best Practices kennen? Was ist es an der Komplexität des Webdesigns, das so schwer zu verstehen ist?

Auch hier, ich bin nicht gemein – das ist eine ehrliche Frage.

Ich habe neulich einen Kaffee mit meinem Kumpel Lindsay Grizzard getrunken und wir haben über diese Dinge gesprochen und uns gegenseitig diese und andere wirklich schwierige Fragen zu unserer Arbeit gestellt. Wir sehen beide Probleme in dieser Branche und das treibt uns beide bis zu einem gewissen Grad ein wenig verrückt.

Jedenfalls habe ich Lindsay diese Frage gestellt: Was am Webdesign macht es so schwer zu verstehen? Sie meinte, das Problem sei, dass die meisten Leute glauben, Webdesign sei wie das Gestalten eines Buches. Verdammte Axt, wir nennen diese Dinge immer noch Webseiten. Aber Lindsay argumentierte, dass der Bau einer modernen Website überhaupt nicht dem Gestalten eines Buches ähnele; es sei eher wie das Gestalten eines Autos.

Lindsay und ich haben uns die Autos auf der Straße neben uns angesehen: Sie müssen in Massen produziert und getestet werden. Jedes muss aus exakt identischen Komponenten aufgebaut sein, die in einem ganz bestimmten Format zusammenpassen müssen. Es gibt technische Probleme – physikalische Grenzen, Geld und Zeit –, denen man sich täglich stellen muss. Man kann nicht auf einen Teil des Autos zeigen und eine Meinung zur Ästhetik haben, weil diese eine Komponente die Beziehungen der anderen verändert. Man muss verstehen, dass man ein immens kompliziertes System beweglicher Teile betrachtet.

Ich liebe diesen Vergleich, auch wenn er nicht besonders hilfreich ist, um anderen Einblick in unsere Arbeit zu geben: Eine Website ist ein Auto und kein Buch.